Der erste Spargel ist gestochen, die Saison in Schleswig-Holstein läuft offiziell. Für viele gehört das jetzt einfach zum Frühling dazu. Doch dieses Jahr fällt eines sofort auf: Die Preise steigen leicht und das hat klare Gründe.
Warum der Spargel in diesem Jahr etwas teurer ist
Wer gerade am Hofstand oder im Laden steht und auf den Preis schaut, merkt es schnell. Der Spargelpreis liegt in Schleswig-Holstein aktuell zwischen 10,90 und 17,90 Euro pro Kilo. Das sind etwa fünf Prozent mehr als im Vorjahr.
Der wichtigste Grund ist einfach: Alles wird teurer. Vor allem der Mindestlohn ist gestiegen. Für die Höfe ist das gut und schwierig zugleich. Gute Arbeit wird besser bezahlt. Gleichzeitig wachsen die Kosten stark.
Dazu kommen Energie, Bewässerung und aufwendige Ernte. Spargel ist kein Gemüse, das einfach nebenbei wächst. Er braucht viel Pflege, viel Handarbeit und genau den richtigen Zeitpunkt.
So gut stehen die Chancen für die Ernte
Trotz der höheren Kosten ist die Stimmung auf vielen Höfen vorsichtig optimistisch. Die Landwirtschaftskammer erwartet ein gutes Spargeljahr. Das liegt vor allem am Wetter der letzten Monate.
Ein kalter Winter war für den Spargel sogar ein Vorteil. Er bekommt dadurch einen sogenannten Kältereiz. Danach wächst er gleichmäßiger und bildet schöne, kräftige Stangen. Genau das wollen die Betriebe sehen.
Auf dem Hof in Salem, wo die Saison eröffnet wurde, ist man ebenfalls zufrieden. Dort wird seit 1995 Spargel angebaut. Heute sind es schon 60 Hektar. Das zeigt auch: Wer beim Spargel mithalten will, braucht Erfahrung und Geduld.
Warum die Folie so wichtig ist
Viele Menschen sehen nur das Gemüse im Laden. Aber auf dem Feld passiert viel mehr. Unter den Folien auf den Dämmen bildet sich Wärme. Wenn draußen mittags nur 10 oder 12 Grad herrschen, kann es unter der Folie deutlich wärmer sein.
Dann passiert der kleine Frühlingstrick: Der Boden heizt sich auf. Sobald die Temperatur an der Pflanze etwa 12 Grad erreicht, beginnt der Spargel zu wachsen. So können einige Betriebe in Schleswig-Holstein sogar schon über Ostern den ersten regionalen Spargel anbieten.
Das wirkt fast wie ein kleines Zeitfenster. Ein paar warme Tage genügen, und plötzlich startet die Saison richtig durch.
Die Arbeit auf dem Feld bleibt hart
Spargel sieht elegant aus. Die Arbeit dahinter ist es nicht. Auf dem Hof Kaiser helfen täglich rund 55 Erntehelfer aus Polen und Rumänien mit. Sie holen zusammen fünf bis zehn Tonnen pro Tag ein. Das ist eine enorme Menge.
Damit das alles schneller geht, setzen viele Betriebe inzwischen auf Maschinen. Sogenannte Spargelspinnen helfen bei der Ernte. Sie heben die Folie an, tragen Kisten mit und machen die Arbeit deutlich effizienter.
Das ist wichtig, denn je schneller geerntet wird, desto frischer kommt der Spargel beim Kunden an. Und genau darauf kommt es bei diesem Gemüse an. Ein Tag zu lange kann schon einen Unterschied machen.
Warum kleinere Höfe es schwer haben
So gut die Saisonchancen auch sind, nicht jeder Hof kann den Druck aushalten. Die Kosten steigen, aber nicht alle können den Preis einfach weitergeben. Vor allem kleinere Betriebe geraten dadurch in Schwierigkeiten.
Die Landwirtschaftskammer sagt deshalb klar: Die Zahl der Spargelbetriebe nimmt ab. 2018 gab es noch 50 Betriebe. Heute sind es nur noch 39. Die Anbaufläche ist dabei kaum kleiner geworden. Das zeigt, wie stark der Markt sich verändert.
Einige Höfe geben auf. Andere wachsen weiter oder arbeiten effizienter. Für die Betriebe ist das ein harter Spagat. Für Verbraucher heißt das oft: weniger Auswahl direkt vom kleinen Hof, aber mehr Bedeutung für die Betriebe, die bleiben.
Direkt vom Hof kaufen bleibt der wichtigste Weg
Eine Sache hilft den Betrieben ganz besonders: Direktvermarktung. Rund 90 Prozent des Spargels in Schleswig-Holstein werden über Hofläden, Verkaufsstände, Wochenmärkte oder den regionalen Handel verkauft.
Das ist für viele Käufer angenehm, denn der Spargel kommt oft frisch und nah aus der Region. Für die Höfe ist es ebenfalls wichtig. Sie verdienen dabei meist mehr als über den reinen Supermarktverkauf.
Hendrik Kaiser setzt deshalb nur einen kleinen Teil seiner Ernte im Supermarkt ab. Der Rest geht direkt an Kundinnen und Kunden. Genau das ist für viele Betriebe der Weg, um in einem schwierigen Markt zu bestehen.
Was Sie jetzt beim Kauf beachten können
Wenn Sie in den nächsten Wochen Spargel kaufen, lohnt sich ein kurzer Blick auf Herkunft, Frische und Preis. Nicht immer ist der billigste Spargel die beste Wahl. Oft merkt man den Unterschied schon an der Stange.
- Frischer Spargel riecht angenehm und leicht süßlich.
- Die Schnittenden sollten nicht trocken oder holzig wirken.
- Weiße Stangen sollten fest und glatt sein.
- Je dicker die Stangen, desto kräftiger ist oft das Aroma.
Am Ende ist Spargel eben mehr als nur ein Frühlingsgemüse. Er steht für Saison, Handarbeit und viel regionale Tradition. Und genau deshalb schauen viele jetzt besonders genau hin, wenn der erste Bund auf dem Tisch liegt.
Ein kleines Symbol für den Frühling
Mit der neuen Spargelherzogin Hanna I. bekommt das Gemüse in Schleswig-Holstein auch wieder ein Gesicht. Sie wirbt künftig für den heimischen Spargel und für die Landwirtschaft im Land. Das passt gut zu einer Zeit, in der regionale Produkte wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Vielleicht ist das der eigentliche Reiz dieser Saison. Nicht nur der Geschmack zählt. Auch die Geschichte dahinter macht den Spargel so besonders. Und wenn Sie in diesen Tagen die erste Portion essen, schmeckt der Frühling gleich ein bisschen echter.





